OChE Darts: Die Stat, die mehr verrät als der klassische Checkout-Wert

Detailaufnahme der Oche-Linie auf der Bühne mit Dartpfeil in der Mitte des Triple-20-Feldes
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Wenn 45 Prozent Checkout-Quote zu wenig sagt

Im November 2024 saß ich mit zwei Bekannten beim Grand Slam und versuchte zu erklären, warum die klassische Checkout-Quote eines Spielers eine schlechte Wett-Statistik ist. Die Antwort: weil sie nicht zwischen einfachen und schweren Doppel-Situationen unterscheidet. Ein Spieler mit 45 Prozent Checkout-Quote, der hauptsächlich auf Doppel-16 und Doppel-20 trifft, ist statistisch was anderes als ein Spieler mit denselben 45 Prozent, der regelmäßig aus 121, 131 oder 141 ausmacht.

OChE — Ordinal Checkout Efficiency, im PDC-Statistikraum von Christopher Kempf etabliert — versucht genau diesen Unterschied zu erfassen. Es ist eine modifizierte Checkout-Stat, die die Schwierigkeit der Doppel-Situation einrechnet. Für Wett-Tipper ist OChE eine der wertvollsten neueren Stat-Innovationen, gerade weil sie im breiten Wettmarkt noch nicht vollständig durchgedrungen ist.

In diesem Artikel: was OChE genau misst, wie es sich von klassischen Checkout-Quoten unterscheidet, wie Sie es für Wett-Analysen nutzen und wo Sie aktuelle OChE-Werte finden.

OChE-Definition und Herkunft

OChE steht für „Ordinal Checkout Efficiency“ — auf Deutsch sinngemäß ordinale Checkout-Effizienz. Die Idee: jede Doppel-Situation hat eine eigene Trefferwahrscheinlichkeit, abhängig vom Wurf-Niveau und der Punktzahl, aus der ausgespielt wird. OChE misst, wie oft ein Spieler tatsächlich auscheckt, im Verhältnis zur erwarteten Wahrscheinlichkeit für diese spezifische Situation.

Konkret: aus 32 Punkten (Doppel-16) auszuchecken ist eine relativ einfache Aufgabe. Aus 170 Punkten (Triple-20, Triple-20, Bullseye) auszuchecken ist die schwierigste Drei-Dart-Aufgabe im Spiel. Ein Spieler, der beide Situationen mit derselben Treffer-Häufigkeit löst, ist statistisch nicht „gut“ — er ist außergewöhnlich, weil die zweite Aufgabe vielfach schwerer ist.

Die klassische Checkout-Quote ignoriert diese Differenzierung. Sie zählt einfach, wie viele angefangene Versuche zum Auscheck führen — egal, ob aus 32 oder aus 170. Das macht sie für hochrangige Vergleiche zwischen Profis ungenau.

OChE wird typischerweise als Index dargestellt: 1,00 bedeutet „Spieler trifft mit der erwarteten Wahrscheinlichkeit“, über 1,00 heißt „überdurchschnittlich effizient“, unter 1,00 heißt „unter den Erwartungen“. Top-Spieler bewegen sich zwischen 1,05 und 1,20 — ein Wert über 1,15 ist Elite-Niveau, dauerhaft über 1,20 ist Spitze.

OChE versus klassische Checkout-Quote

Die klassische Checkout-Quote ist ein Standardmaß: typischerweise zwischen 35 und 45 Prozent auf Profi-Niveau, Elite-Spieler erreichen rund 50 Prozent. Aber diese Quote sagt nichts über die strukturellen Stärken des Spielers.

Zwei Spieler mit 45 Prozent Checkout-Quote können komplett unterschiedliche Profile haben. Spieler A schließt zuverlässig aus 32 bis 60 ab, scheitert aber regelmäßig in schwereren Situationen. Spieler B ist in den einfachen Doppel-Situationen Standard-Niveau, hat aber eine besonders hohe Trefferquote bei Big-Outs aus 90 plus. Beide haben dieselbe klassische Quote, aber komplett unterschiedlichen OChE-Wert: Spieler A liegt bei 0,95, Spieler B bei 1,15.

Für Wett-Tipper ist diese Differenzierung entscheidend. Spieler B ist in engen Match-Endphasen statistisch deutlich überlegen, weil dort die Big-Out-Chancen den Match-Ausgang entscheiden. Spieler A dagegen ist in den durchschnittlichen Leg-Verläufen vergleichbar gut, aber in spektakulären Drucksituationen schwächer.

Was bedeutet das praktisch? Sieg-Wetten und Average-Wetten profitieren wenig von OChE-Differenzierung — die klassische Checkout-Quote reicht hier aus. Aber Match-Endphase-Wetten, „Letztes Leg entscheidet“-Wetten und Spezialmärkte zu High-Finish-Häufigkeiten verändern ihren Erwartungswert deutlich, wenn Sie OChE statt klassischer Checkout-Quote einbeziehen.

Wie OChE für Wetten nutzen

Drei konkrete Wett-Anwendungen von OChE.

Erstens: High-Finish-Spezialmärkte. „Höchster Checkout über X“ mit Quoten zwischen 1,80 und 2,40, wenn der Spieler einen OChE-Wert über 1,10 zeigt und gegen einen Gegner mit volatiler Hold-Quote spielt. In dieser Konstellation steigen Big-Out-Gelegenheiten überproportional, und die Quote ist meist falsch konservativ eingepreist.

Zweitens: Match-Endphase-Wetten. Spieler mit hohem OChE schlagen statistisch häufiger in den letzten zwei bis drei Legs eines Best-of-19-Matches durch, weil Drucksituationen ihre Stärke bedienen. Wetten wie „Spieler X gewinnt das entscheidende Leg“ mit Quoten über 1,90 sind in OChE-Differenzialen über 0,15 oft Value-Konstellationen.

Drittens: Long-Distance-Vergleichswetten. In Distanz-Formaten wie dem World Matchplay oder den Players Championship Finals ist OChE-Niveau ein besserer Indikator für Sieg-Wahrscheinlichkeit als der Saisonaverage. Eine OChE-Differenz von 0,10 oder mehr zwischen zwei ähnlich starken Profis verschiebt die echte Sieg-Wahrscheinlichkeit um 4 bis 7 Prozentpunkte. Wie das in konkreten Spieler-Profilen wirkt, zeigt mein Stück Luke Humphries Wetten — Humphries ist ein klassisches Beispiel für ein Profil mit überdurchschnittlich hohem OChE.

Was nicht funktioniert: OChE als Einzelindikator für Sieg-Wetten. Ein hoher OChE ohne entsprechenden Saisonaverage ist kein Match-Gewinn-Garant — es ist eine Stärke in spezifischen Match-Situationen, nicht über alle Legs hinweg. Wer OChE als universellen Quote-Indikator verwendet, übersetzt die Bedeutung der Stat.

Wo OChE-Werte zu finden sind

OChE wird nicht von allen Statistik-Sources publiziert. Die zuverlässigste Quelle ist ochepedia.com — die statistische Plattform, an der Christopher Kempf maßgeblich beteiligt ist. Dort finden sich saisonale OChE-Werte für die Top-Spieler, oft aktualisiert nach jedem Major-Turnier.

PDC-eigene Statistik-Seiten und die offizielle PDC-Berichterstattung beinhalten OChE-Werte zunehmend in den großen Saisonprofilen — vor allem in Christopher Kempfs regelmäßigen „Stats Analysis“-Kolumnen. Wer diese Kolumnen aktiv verfolgt, hat einen klaren Recherche-Vorteil über den durchschnittlichen Wett-Tipper.

Drittquellen wie nakka.com (für japanische Profis) und einige Tour-Analyseplattformen veröffentlichen OChE-ähnliche Werte unter anderen Namen — „Big-Out-Index“, „Checkout-Efficiency“ oder ähnlichen Begriffen. Diese Werte sind nicht direkt mit OChE vergleichbar, aber sie liefern verwandte Differenzierungen.

Was zur Wett-Praxis: aktuelle OChE-Werte der Top 16 sollten Teil Ihrer Recherche vor jedem Major-Turnier sein. Eine einfache Tabelle mit Saisonaverage, klassischer Checkout-Quote, Hold/Break-Quote und OChE liefert eine vollständige Profil-Übersicht der Spieler. Diese Tabelle ist die Grundlage für strukturierte Wett-Analyse jenseits der Schlagzeilen.

Was die OChE-Tabelle nach einem Major-Jahr verändert

OChE ist die statistische Tiefenschärfe, die strukturierte Tipper von Schlagzeilen-Tippern unterscheidet. Sie ist nicht für jede Wettart relevant, aber sie ist entscheidend für die Wettarten, in denen Drucksituationen und Match-Endphasen den Ausgang bestimmen.

Mein Rhythmus: OChE-Werte der Top 16 nach jedem Major-Update in einer einfachen Tabelle führen, dazu Notizen zu Trend-Bewegungen. Spieler mit OChE über 1,15 sind potenzielle Value-Quellen bei Match-Endphase- und High-Finish-Spezialmärkten. Spieler mit OChE unter 1,00 sind in Match-Endphasen riskanter, als ihre Saisonaverage nahelegt. Diese Stat-Differenzierung ist eine der wenigen verbliebenen Edge-Quellen für Tipper ohne Insider-Zugang — und sie ist mit einer Stunde Recherche pro Monat abrufbar.

Was misst OChE genau im Vergleich zur klassischen Checkout-Quote?
OChE — Ordinal Checkout Efficiency — misst die Auscheck-Häufigkeit eines Spielers im Verhältnis zur erwarteten Wahrscheinlichkeit für die jeweilige Doppel-Situation. Die klassische Checkout-Quote zählt nur, wie oft Spieler Versuche zum Auscheck führen, ohne die Schwierigkeit der Situation einzubeziehen. OChE differenziert also zwischen einfachen und schweren Doppel-Aufgaben.
In welchen Wettmärkten lohnt sich OChE-Analyse besonders?
In Spezialmärkten zu High-Finishes, in Match-Endphase-Wetten wie "Letztes Leg entscheidet" und in Long-Distance-Vergleichswetten zwischen ähnlich starken Profis. In klassischen Sieg-Wetten und Average-Wetten liefert OChE wenig zusätzlichen Edge — dafür reicht die Standard-Checkout-Quote aus.
Ab welchem OChE-Wert spricht man von einem Elite-Spieler?
Werte über 1,15 gelten als Elite-Niveau, ein dauerhafter OChE von 1,20 oder höher ist absolute Spitze und wird in der PDC nur von einer Handvoll Spieler pro Saison erreicht. Werte zwischen 1,05 und 1,15 sind solide überdurchschnittlich. Alles unter 1,00 zeigt unter den Erwartungen liegende Auscheck-Effizienz.